
Wow! Die letzte Woche hat mir wirklich unglaublich viele Eindrücke gegeben. Ich sitze nun hier und bin völlig verzweifelt, denn ich habe das Gefühl, dass egal wie ich es aufschreibe, egal was ich sage, man kann es einem Unbeteiligten nicht erklären, wie schön, eindrucksvoll und schrecklich anstrengend die letzte Woche war.
Ich muss sagen, dass ich mich in den ersten beiden Tagen wirklich erstmal daran gewöhnen musste, ständig Jemanden um mich herum zu haben... diese 55 Kinder haben meine Nerven wirklich ganz schön strapaziert. Aber im Endeffekt hat sich diese ganze Anstrengung doch wirklich gelohnt und zum Ende hin wurde ich dann doch auch immer sentimentaler.
Zur Zeit kann ich fast diese Ruhe nicht mehr ertragen, nach der ich mich zwischenzeitlich in der Freizeit so sehr gesehnt hatte. Und auch der normale Alltag stellt sich gerade als Problem dar: Sobald ein Kind von 8-14 Jahren in mein Blickfeld tritt habe ich sofort das Bedürfnis, es genervt anzufahren, dass es sich doch gefälligst hinten anstellen soll und den Teller leer essen soll. Ich bin dabei sogar schon drauf und dran, meinen Mitmenschen die Strafentüte zu bringen, welche sie wahrscheinlich zu Küchen- oder Klodienst verdonnern wird.
Was ich bald in dieser Jungscharfreizeit herausfinden musste ist, dass sich der Begriff "Kind sein" im laufe der Jahre doch sehr verändert hat. Ich zumindest kann mich, wenn ich an die kleine Sarah von 9 oder 10 Jahren zurück denke, zumindest nicht so ganz mit den Kinder identifizieren. Wo mir in diesem Alter noch Klamotten so wichtig, wie die Börsenspekulationen im Ersten waren und ich nicht mal daran dachte, dass man sich irgendwelche Farbe ins Gesicht schmieren kann, um attracktiver auszusehen, wurde ich hier eines Besseren belehrt. Es schien mir eher so, dass ich mir nun mit meinen 18 Jahren noch ein paar Stylingtipps von den KLeinen geben lassen sollte, um in ihrer Welt mithalten zu können. Und so kam es, dass ich morgens mit meinem müden, verkwollenen Gesicht das Bad betrat und eine Traube von kleinen Mädchen wahrnahm, die sich um die Spiegel scharten und Schminkutensilien um sich herum liegen hatten, die ich zuvor noch nie in meinem Leben gesehn hatte.
Insgesamt schrieb ich mir am Ende dieser Woche 3 Grundsätze zu Kindern auf:
1. Kinder sind ekelhaft.
2. Kinder sind grausam.
3. Kinder nerven.
Den ersten Punkt konnte man hauptsächlich auf die Nutzung der Klos und Bäder beziehen, wobei ich oft Anblicke hatte, die ich einfach wieder vergessen wollte und auch später so tat, als ob dies niemals passiert sei. Weiter hatte ich aber auch Erlebnisse mit 14-jährigen, die es einfach urkomisch fanden, vor meinen Augen eine Wespe auf ihrem Teller zu enthaupten und danach zu sizieren (ich konnte meinen Brechreiz nur gerade so bändigen).
Das Wort 'grausam' klingt ziemlich hart trifft sicher auch auf die wenigsten der Kinder zu. Doch trotzdem hat mich diese Freizeit gelehrt, dass Kinder nicht zu unterschätzen sind und doch auch imstande sind, viel zu lästern und zu intregieren. Das zu erfahren war für mich sehr erschreckend, wo ich doch immer an das kindliche, harmonische Grundverhalten von Kindern glaubte.
Dass Kinder nerven, brauche ich wohl niemandem zu erklären. Doch ich denke, dass man wirklich mal so eine Freizeit miterleben sollte, um zu wissen in welcher Intensivität die Nerven dabei Strapazen erleiden müssen. Schon am dritten Tag hatte ich plötzlich das dringende Bedürfnis, meinen Kopf immer und immer wieder gegen die Wand zu hauen. Dabei hatte ich aber leider nicht bemerkt, dass kurz vor meiner Kopf-an-dieWand-hau-Aktion ein Junge an mir vorbei lief und "Yo Sarah" rief. Meine Reaktion darauf muss ihn wohl ziemlich verwirrt haben, da so schnell wie möglich das Weite suchte, bevor ich begreifen konnte, wie komisch und voller Ironie diese Situation eigentlich war. Immerhin hatten alle anderen Umstehenden ihren Spaß :P
Es ist wahrscheinlich unmöglich, alles hier zu notieren... ich selbst hatte ständig mein Buch bei mir, um auch jede coole Aktion und jeden witzigen Spruch der Kinder aufschreiben zu können. Und weil ich fast Angst habe, irgendetwas von dieser tollen Woche zu vergessen... denn Kinder sind nunmal nicht nur grausam, nervig und ekelhaft. :)
Bild: "Getümpelt" zu werden war wohl eine der schlimmsten Strafen, die die Monster zu erwarten hatten.